Der ganz normale Produzenten Wahnsinn

Produktion-Update

Produzentin Tamara Kollmeder mit Filmklappe

Du wolltest schon immer mal wissen, was eine Produzentin die ganze Woche so treibt? Tja für eine Definition des Jobprofils musst du googeln, aber ich (Tamara) kann dir hier und jetzt Einblicke in meine letzte Woche geben… den ganz normalen Produzenten Wahnsinn.

M wie Munterer Montag

Ehrlich gesagt hab ich kein Problem mit Montagen, denn ich arbeite immer und jeden Tag – das hat zumindest den Vorteil, dass es keinen Montag gibt, der endgültig das schöne Wochenende beendet.

Für mich beginnt die Woche mit einem Telefoninterview mit der Thüringer Allgemeinen – immer noch ungewohnt, dass jemand über mich bzw. uns berichten möchte! Direkt nach dem Interview starten Mika und ich eine Fotosession, denn: wer in der Presse erscheinen will, braucht ein Foto – und da wir immer noch kein Crew-Foto machen konnten, machen wir eben ein “Regisseur – Produzentin – Filmklappen” Bild. Dann “Frühstück” um 14 Uhr – ja mein Rhythmus ist nicht wirklich normal – egal. Vor dem nächsten Termin schaffe ich es noch einige Sponsoring-Anfragen rauszuschicken. Um 16:00 Uhr lerne ich Ira kennen. Sie entwirft feministische Motive und erstellt Sticker, Jutebeutel und andere coole Sachen (schau mal bei unseren Sponsoren bei “iraklebt”). Wir vereinbaren so etwas wie eine “Product-Placement” Zusammenarbeit. Ich freue mich!

D wie Dankbarer Dienstag

Wohoo, die erste Zeitung berichtet über unsere Produktion. Natürlich springen Mika und ich direkt zum Kiosk und kaufen uns eine gedruckte Zeitung – macht man ja auch nicht alle Tage.

Wir starten gemütlich in den Tag. Ein paar alte Bekannte rufen an, schreiben eine WhatsApp und gratulieren uns – und ich frage mich nur: wofür? Ein Artikel ist doch nur der Anfang einer langen, anstrengenden, nervenaufreibenden, kopfzerbrechenden Zeit. Doch es ist ebenfalls ein Anfang der Realisierung eines Traumes – hoffentlich! Naja genug getrödelt – es warten einige Bewerber*innnen auf eine Rückmeldung! Am Wochenende gingen wir unsere Casting Listen durch und haben einige zu Nebenrollen Castings eingeladen.  Ich würde ja am liebsten mit allen tollen Leuten zusammenarbeiten, doch leider haben wir eine begrenzte Anzahl von Rollen und ein noch begrenzteres Budget… vielleicht ja in zukünftigen Projekten. Ab 16 Uhr bereiten wir die Casting Inhalte der Rollen Miriam, Sophie, Marc und Dan vor. Ab 18:30 Uhr lernen wir zwei Bewerber kennen. Die Struktur der Online Castings: kurzes Plaudern, Figurenbeschreibung der Rolle, Improvisations-Aufgabe mit Blick auf die Charaktereigenschaften der Rolle – ich mag es, denn neue Begegnungen und Darstellungen bedeuten andere Perspektiven, Möglichkeiten und Chancen. Um 19:30Uhr ist Mika und mein letzter Termin für heute: Call mit einem Regieassistenten Moritz.

M wie motivierter Mittwoch

Heute beginnen wir mal verhältnismäßig früh…

Der Tag beginnt mit einem Casting um 10 Uhr. Die Bewerberin ist super und wir haben uns innerlich schon während des Castings für sie entschieden (später sagt sie aus zeitlichen Gründen ab – ja auch das gehört leider dazu…). Um 11 Uhr habe ich dann ein weiteres Telefoninterview mit einer Redakteurin einer Ostthüringer Zeitung. Danach bin ich innerlich etwas gestresst, denn wir müssen eine Präsentation vorbereiten. Um 15 Uhr stehen wir – präsent ! – vor dem Präsidium der TU Ilmenau und stellen unsere Produktion vor. Es geht um Drehgenehmigungen in Räumlichkeiten der Uni und auch um den Namen der Uni hinter der Produktion. Der Termin ist erfolgreich und eh man weiter über das Feedback nachdenken kann, müssen wir schon wieder zurück ins Home Office, denn ab 17Uhr stehen nochmal vier mal 30 Minuten Castings für die Nebenrollen an – und nicht zu vergessen, die anschließende Debatte im Team Casting…. 🙂

Der ganz normale Produzenten Wahnsinn
Ein Hoch auf Kalender- und Aufgaben-Erinnerungen!

D wie dramatischer Donnerstag

Aber fehlt da nicht noch etwas in der Woche?

Ach jaaa genau, die Finanzen! Mein Lieblingsthema – und das meine ich tatsächlich nicht ganz ironisch. Ich mag den Umgang mit Geld, die Kalkulation des Budgets und das Überwachen der Ausgaben – was ich allerdings nicht mag: das Auftreiben von Geldmitteln, sprich das Betteln um Geld. Bei Freunden, Familie und Bekannten für Crowdfunding und bei Unternehmen für Sponsoring und Spenden… Ich kann zwar für jeden begründen, warum er/sie uns unterstützen sollte, doch die Entscheidung dazu kann ich nicht abnehmen. Den ganzen Tag widme ich also dem Geld. Um 19 Uhr das wöchentliche Finanzen Teammeeting, in dem wir über das Sammeln von Spenden sprechen. Wir beschlossen Spendenbriefe zu versenden – denn Emails gehen heutzutage viel zu leicht unter oder landen im Spam. Um 20 Uhr folgt dann noch unser Produktionsmeeting, das heute irgendwie eher ein Regie-Meeting wird, da wir hauptsächlich um Folge 1 diskutieren, Kleinigkeiten anpassen und in PreProducer arbeiten – an der Stelle übrigens: ohne PreProducer wäre ich verloren! Vielleicht schreibe ich darüber mal einen eigenen Blogartikel 😉

F wie freudiger Freitag

“Mini Aufgaben” macht man mal so eben nebenher und doch erschrecke ich, wie viel Zeit da schnell mal vergeht…

In der letzten Woche habe ich alle Crew Mitglieder gebeten ein kleines Video von sich aufzunehmen, welches Dino (unser Social Media Grafiker) zu einem schönen Crowdfunding Promotion Video zusammenschnitt. Dieses poste ich auf Instagram, Facebook, Youtube, LinkedIn, verschiedenste WhatsApp Gruppen, Startnext und so weiter, damit es möglichst viele Menschen sehen und hoffentlich eine kleine Spende beitragen würden. Manchmal bin ich selbst überrascht wie viel Zeit solche Aufgaben in Anspruch nehmen… Außerdem spreche ich noch mit Said, dem Geschäftsführer der jipi gUG einiges unserer Zusammenarbeit ab, telefoniere mit einem neuen Crew-Mitglied und beantworte liegengebliebene E-Mails. Ab 17 Uhr bis 21:30 Uhr haben wir wieder zwei Online Castings und außerdem laaange Besprechungen über die Besetzung hauptsächlich der Nebenrollen aber auch darüber, ob wir für die Rolle nicht geeigneter aber motivierten Schauspieler*innen eine andere Rolle anbieten können…

S wie Sorgloser Samstag

Wochenende? Kenn’ ich nicht und es stört mich nicht! Warum? Weil ich generell kein Freund von Leben nach gesellschaftlichen, konventionellen Mustern bin, ich mag keine übertriebene aufgezwungene Routine. Ich mache nicht frei, nur weil Wochenende ist, ich nehme mir Zeit für mich, wenn ich sie brauche.

Und auch der Samstag beginnt mit dem Casting Team: um 10:30 Uhr steht ein Casting an, danach wird weiter diskutiert. Das Problem ist, dass unsere Rollen einerseits emotional komplex sind und andererseits beim Drehbuch schreiben natürlich schon eine optische Vorstellung der Rolle da war. Für eine Rolle sind wir einfach nicht zufrieden, sodass wir kurzerhand nochmal unsere Bewerberlisten und Castingprofile durchgehen. Um 13 Uhr brauchen wir dann wirklich eine Pause und vor allem ein Frühstück! Der restliche Samstag nutze ich für die Drehplanung – das ist auch so eine Sache….

S wie Stressfreier Sonntag

Ein Tag zum Abarbeiten von allem, was über die Woche liegen geblieben ist…

Weil ich die ganze Woche kaum Luft hatte und weil das Resultat nicht nur uns weiter bringt, muss ich heute mit der Vorbereitung der Drehplanung weiterkommen! Einige Darsteller*innen fragen schon und ich kann bisher nur den gesamten Drehzeitraum angeben. Ich kann aber wohl kaum verlangen, dass sich eine Besetzung einer Kleindarstellerrolle ganze 5 Wochen frei zur Verfügung hält. Also los gehts! Um 16:30 Uhr casten wir dann spontan noch jemanden für eine Nebenrolle und sind danach erleichtert. Unsere Nebenrollen stehen fest! Um 18 Uhr findet dann noch unser wöchentliches Social Media Meeting statt. Heute planen wir die Beiträge der nächsten zwei Wochen und sind relativ schnell durch – auch mal schön! Den restlichen Sonntag Abend nehme ich mir frei 🙂

Tja…. das war ein detaillierter Einblick in den ganz normalen Produzenten-Wahnsinn!

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